Skip to content

… was bisher geschah (Teil 2)

Gleich einige Tage nach Korsika, im frühen Juni, verbrachte ich wieder eine gute Woche mit drei anderen Caterhams in Sardinien. So entstand die Albatros Rallye, eine freudige, zügige Veranstaltung von Olbia nach Olbia. Uns hat der Humor nie verlassen. Und, Schande über uns, aber vor lauter Fahren waren wir kein einziges Mal im Wasser…

Um den Clip in hoher Auflösung zu schauen, klicke auf das Dreieck unten rechts im Clip und dort auf die Buchstaben “HQ”!

Nachtrag: Lausbubenferien

Das Vorwort:
Hallo Lesende, liebe Reisebegleiter. Gerne berichte ich, mit reichlich Verspätung, von unserem Ausflug nach Sardinien im Jahr 2009. Ich bin Mathias und irgendwas sagt mir, dass die anderen Protagonisten der Geschichte nicht beim Namen genannt werden müssen. Alles ist frei von mir erfunden und allfällige Koinzidenziositäten entspringen dem gemeinen Zufall. Also los, viel Spass beim Lesen!

Die Hinfahrt:
Abgemacht haben wir in Reichenau. Doch schon vor dem ersten Treffen, hat sich einiges ereignet. 6 Autos sollten den Weg nach Sardinien finden. Im Jahr davor kamen von vier nur drei mit eigener Kraft zurück. Dieses Jahr hat es eines nicht einmal bis nach Sardinien geschafft: Eine langjährige Geschichte mit mehreren Reparatur-Versuchen hat ihr Ende mit einem Motorschaden in der Nähe der Schweiz-Italienischen Grenze gefunden. Glücklicherweise konnte der Betroffene auf seinen Bruder mit einem Seven zurückgreifen, so dass er trotzdem stilecht mit uns zur Fähre fahren konnte. Von den restlichen Autos hatte eines wenige Tage vor der Abfahrt noch einen Alternator nötig und ein anderes einige Kabelbinder, damit sich der Auspuff nicht in die Flucht schlage konnte…
Es ist erstaunlich, wie schnell man in Genua ist (ohne dabei zu schnell fahren zu müssen). Und es ist auch erstaunlich, wie viel Spass die letzten Kilometer durch die Täler und Häuserschluchten von Genua bereiten können. Was der erste Tag auch brachte, war eine einsichtige Erinnerung: die Italiener sind katastrophale Autofahrer. Es ist also dauernde Vorsicht geboten. Zum Glück ist der Caterham so schmal! Am Abend auf der Fähre wurde der offizielle Aufkleber der Rallye “Olbia - Olbia” für das nächste Jahr entworfen: neben den aktuellen Sponsoren Fiat Fiorino und Urinex durfte im nächsten Jahr ein Geburtstags-Bunny und die Natelnummer des kompetenten Opel-Spezialisten nicht fehlen!

Die Ankunft:
Kaum aus der Fähre geflogen und schon wieder 250Km bis zum Hotel gemacht: neben einigen brummigen Marschflug-Kilometern waren auch viele Kurven mit dabei. Einige davon waren nicht nur tückisch, sondern auch sandig, so dass ein Rutscher eine kaputte Felge nach sich zog. Der Einstand war so vielleicht nicht erfreulich, doch trotzdem haben wir den ersten Tag auf der Insel genossen. Nicht nur die Motoren liefen heiss. Nein, auch die äussere Hitze war enorm, so dass wir alle sichtlich dehydriert vor dem Einchecken ein Bier in der Strandbar genossen und uns über die schönen Aussichten erfreuten: Das Meer in verschiedenen Türkis-Tönen, einige hohe Wasserfälle und Bojen; alles prächtig.
Der einladende Innenhof vor dem Hotel hat auch im letzten Jahr als “parc fermé” gedient. In diesem Jahr mussten für die 6 Seven aber noch Autos umparkiert werden. Die, je nach Geschmack, ansehnliche Chef-Gattin hat beim Versuch, das Auto aus dem Hof zu fahren, einerseits nach dem Einsteigen schon wieder vergessen, dass gleich hinter ihr ein Seven steht und sich andererseits auf die Park-Hilfe verlassen. So fuhr sie ohne elektronische Warnung, dann aber durch laute Rufe gebremst in einen Kotflügel, was uns nicht einmal ein freies Nachtessen einbrachte. Alles halb so schlimm, ist also das Fazit des ersten Tages. Wir waren alle sichtlich froh, im Land der aussterbenden Geraden eingetroffen zu sein. Diese Freude liess sich auch nicht schmälern durch Fleischstücke, die zwar “durch” bestellt, jedoch nur scheintot geliefert wurden. Die Dusche und der Alkohol brachten uns auf den Boden zurück, so dass wir mit offenen Drosselklappen wummernd und knatternd einschliefen.

Die Vorahnung:
Am Abend des zweiten Tages war mir mulmig zu Mute. Der Morgen begann wie gewünscht, mit einigen, direkt aneinander gelegten Bergrennstrecken, bei denen man mit vollem Einsatz nur knapp die Höchstgeschwindigkeit überschreiten hätte können. Leider hatten es die Carabinieri versäumt, in der Nacht zum zweiten Tag alle Kurven sauber zu fegen, so dass ich eher unfreiwillig den Kopf drehen musste, um die Fahrtrichtung nicht aus den Augen zu verlieren. Zuerst war die Strasse vorne, dann auf einmal scharf links, dann scharf rechts und dann gleich neben mir. Virtuoses Kurbeln am Volant gab mir die Kontrolle über das Fahrzeug zurück. Trotz allem gelang es aber meinem Herz, das Zwerchfell zu durchdringen und in meine Unterhose zu rutschen. In den engen Gurten brauchte ich dann fast eine Stunde, bis ich es wieder am linken Fleck hatte. So waren für mich auch einige Zeit lang die Kurven nur wenig geniessbar (ähnlich wie vollverschalte Meeresfrüchte, die da unten richtigerweise Kotze heissen). Irgendwann am Nachmittag wollte sich dann auch meine Kupplung verabschieden, so dass, Drehmoment-Klein-Wunder sei Dank, nur noch die 6te Welle benutzt und einfach das Anhalten ausgelassen wurde. Der Mechaniker meines Vertrauens lieh mir auf dem Weg zu Mario’s Pizzeria sein Drehmoment-Wunder um meine Kupplung zu probierfahren: “Nichts Ernstes”. Mein Gemüt wurde wieder etwas heller. Vor allem auch, als wir bemerkten, dass das Klacken in Linkskurven von einer Losen Batterie in meinem Motorraum herrührte. Diese war mit zwei Schrauben nach einigen Minuten wieder fest verankert. Alles wieder gut, oder?

Die SS125
Um zurück zur Wonne zu finden, verkündete ich einen stressfreien Tag. Das Ziel war mir bekannt, so dass ich mich alleine auf den Weg machte: die SS125 wartete auf mich! Video hier, Foto da, flüssige Fahrt, Camper und Deutsche hinter mir lassend. Leider hatte ich kurze Leistungsaussetzer, ähnlich wie am Tag zuvor. Diese häuften sich schon am Morgen früh und brachten schlussendlich meinen Motor zum Erliegen. Ein früher Verdacht: Benzinpumpe zu leise! Ein sympatischer Jemand war extrem hilfsbereit, kehrte zu mir um und zog mich zurück ins Hotel um mir anschliessend seinen Beifahrerplatz im “R399″ anzubieten. Nach einer Erfrischung in Santa Maria Navarrese durfte ich dann auch noch einen R500 erleben: der schreit nicht nur, wie vom Affen gebissen, sondern hat auch ein dickes Leistungs-Gummiband, das von 4500 bis 9200 Umdrehungen reicht (darüber wird aus dem Gummiband eine Besteckschublade). So hatte ich trotz passivem Herumsitzen einen spassigen Tag. Danke euch, Jungs, ihr wart grossartig!

Der unfreiwillige Copilot
Mein Zimmernachbar ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen (ausser im Schlaf). So widmete er einen guten Teil des Mittwochmorgens meiner Benzinpumpe. Sein gutes Zureden half nicht viel. Erst das Überbrücken des Pumpen-Relais und die zündende Idee vom R500-Piloten hauchten den Motor wieder Leben ein. Ich fand so mein Glück wieder und hielt es fest im Griff. Bis es mir eine halbe Stunde später die sardischen Felsen runter fiel. Ihr müsst wissen, es ist schwer, so ein Glück zu halten, wenn man mit beiden Händen lenken muss! Da kommt nach jeder Rechtskurve eine Linkskurve und nach der Linkskurve dann eine Rechtskurve, oder sogar noch eine Linkskurve und dann eine Rechtskurve und so weiter, ohne aufzuhören! Zurück zum roten Faden: im Sandwich aus zwei Wohnzimmern auf Rädern liess sich kein Gang mehr einlegen. Nach einem eleganten Überholmanöver folgte so also ein mindestens so elegantes Ausrollen mit Pannenblinkern am Strassenrand: die Kupplung hauchte ihr Leben aus und machte den grünen Lord zur Machina Merda. Man (oder eben mein Profischrauber) konnte noch fahren, so dass wir die Fahrt zum zweiten Hotel in Santa Maria Navarrese fortsetzten: Mir wurde ein Auto mit Motorrad-Vergasern überlassen, das mir zeigte, wie gut ein Seven liegen und gehen kann (das Hüpfen hab ich nicht getestet). Die Versicherung versprach mir am Abend, meinen Caterham innerhalb von 10 Tagen in die Schweiz zu bringen. Vor mir lagen also noch vier Tage als Beifahrer und Klotz am Bein. Das soll jetzt nicht negativ tönen: die anderen 5 Jungs hatten immer noch eine Scheiss-Freude!

Was sonst noch geschah
Mit der Zwangspause für meinen grünen Lord legte sich auch die Motivation, gross am Tagebuch weiter zu schreiben. So fügen sich die folgenden Zeilen etwas spärlicher zusammen. Nichts desto trotz erlebten wir nach dem Umzug ins dritte Hotel einen erfrischenden Badetag, trafen motorverrückte Kumpel, die wir schon in Korsika getroffen hatten und erlebten einen lockeren Tag. Ich durfte die folgenden Tage wieder im Drehmoment-Monster mit- und selbst fahren. Mit meiner Finger-Kamera sammelten wir einige lustige In- und Outboard-Aufnahmen. Leider wurde jemandem von uns die Brieftasche mit wichtigen Papieren gestohlen. Und die Polizei in Sardinien möchte eigentlich nicht arbeiten am Tag. Und auch nicht in der Nacht. Die möchten eigentlich nur Kafi trinken und ihre Verkleidung tragen. Macht neidisch, oder?
Santa Lucia war der Willkommens- und der Abschiedsgruss der Insel: da gab’s wunderhaft schöne Augen! Wir tranken dort am Wasser jeder noch ein Urinex und staunten. Das half auch etwas über meinen fehlenden Fahrerplatz hinweg. Ohne Lenkrad in den Hände konnte ich ausserdem problemlos den Blick von der Strasse lösen, was durchaus belohnt wurde: Die Berge sind zwar nicht saftig, doch aber dicht bewachsen und schroff. Hier und dort lässt sich das Meer durch die Täler hindurch erhaschen und die Strassen ziehen sich wie Tagliatelle in Pesto-Sauce durch die Berge. Der Eindruck des ersten Tages hat sich über die Woche hin zu einem Fakt gewandelt, der sich zum Abschied noch ein letztes Mal im einzig richtigen Wort manifestiert: unglaublich!

Das Schlusswort
Mir ist klar, dass ich in diesem Bericht das eine oder andere unterschlagen habe. Zum Beispiel, dass wir jeweils so langsam unterwegs waren, dass uns das Gesicht eingeschlafen ist, andauernd. Aber wer einen Super Seven besitzt (und damit meine ich auch die Autos, die nicht mit Cat.. oder Lot… beginnen) muss mindestens ein Mal damit in Sardinien gewesen sein! Die Strassen sind der absolute hammer, die Sonne scheint immer nur von oben und in der richtigen Gesellschaft kann man sehr, sehr viel Spass haben. Also los, ab nach Sardinien! Ich werd mir vielleicht sogar erlauben, mit dem TVR dort hin zu fahren ;-)

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *